Petition „Kein Schießkino in Lappersdorf“

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Widerstand gegen Schießanlage in Lorenzen und Lappersdorf formt sich

Eine Woche lang lief meine Petition auf change.org: Kein Schießkino in Lappersdorf. Gemeinsam mit Katharina Kohlmeyer hatte ich mich zu dieser Vorgehensweise entschlossen, nachdem ein Investor einen Antrag auf Bau einer gewerblichen Schießanlage mit mehreren Bahnen bis zu 300m bei der Marktgemeinde gestellt hatte. Geplant ist von einem Waffenhändler und Investor ein Indoor-Schießzentrum mit Schießkino und Mehrdistanzanlage 25- 300 Meter, Drucklufwaffenthalle und Funktionsgebäude. Die bauliche Ausgestaltung sollte dynamisches Schießen mit Lang- und Kurzwaffen erlauben und eines der modernsten Zentren in Bayern werden. Neben Behörden und Verbänden hätten auch private Kunden diese Anlage nutzen können. Schieß-Events hätten stattfinden können. Man rechnete mit einem Einzugsgebiet bis nach Mitttelfranken. Zusätzlich zu einer Wirtschaft sollte auch ein eigener Waffenladen in die Anlage integriert werden.

Die breite Unterstützung, die wir erfahren haben, zeigte uns, dass wir einen Nerv getroffen hatten. Da der Petitionstext allerdingseher kurz und allgemein gehalten war, möchte ich hier nochmals genauer auf die Sachlage und meine Argumente gegen diese gewerbliche Anlage eingehen. Dabei gibt es verschiedene Argumentationsebenen, die im öffentlichen Diskurs immer noch häufig verschwimmen. Ich bemühe mich hier, auf die verschiedenen Ebenen einzugehen.

Argumente gegen Schießanlage in Lorenzen und Lappersdorf

Im Marktgemeinderat Lappersdorf wurde in diesem Sommer der Flächennutzungsplan für die nächsten 25 Jahre beschlossen. Diesem Beschluss gingen Vorberatungen und Bürgergespräche voraus; ein Stadtentwicklungsbüro hat letztlich nach allen Vorberatungen und unter Einbeziehung der gesetzlichen Vorgaben diesen Plan vorgelegt. Eine kontroverse Entscheidung wurde über das Gebiet in Kareths Norden getroffen: diese große Fläche Land wurde aus der letztgültigen Fassung gestrichen, da sie den Ort Kareth auf einen Schlag flächenmäßig verdoppelt hätte. Bei diesen Vorgesprächen war auch eine Fläche in Lorenzen beim Benhof als Gewerbefläche vorübergehend im Gespräch. 

Erste Ebene: Flächennutzung im Markt Lappersdorf

In dem Moment, wo der Flächennutzungsplan endlich beschlossen und öffentlich ausgelegt war, beantragte ein Investor die Umwidmung einer Außenfläche in Gewerbefläche. Mit dem Besitzer ist bereits alles besprochen; sehr detaillierte Pläne wurden dem Gemeinderat vorgelegt. In Lappersdorf suchen allerdings seit geraumer Zeit mehrere mittelständische, hier ansässige Firmen, Flächen für eine Erweiterung. Manche Unternehmen haben aufgrund dessen bereits ihren Hauptsitz nach Regensburg bzw. weiter ins Umland verlegt oder sehen sich in näherer Zukunft zu diesem Schritt gezwungen. Meines Erachtens muss die Gemeinde im Rahmen ihrer Möglichkeiten allen Gewerbetreibenden eine Chance zur Erweiterung ermöglichen, und es darf nicht im Ermessen einzelner Grundbesitzer liegen, welches Gewerbe sich im Markt ansiedeln kann. Eine nachträgliche Umwidmung nicht im FNP enthaltenen Lands in Bauland sollte nur in gut begründeten Ausnahmefällen geschehen. Dies halte ich für ein umstrittenes Projekt wie dieses, das vor allem dem Investor genützt hätte, für nicht gegeben.

Zweite Ebene: Umgang mit den Lorenzer Schützen

Vor Jahren haben vor allem CSU und Freie Wähler dem Lorenzer Sportverein und den Lorenzer Schützen bei einer Erweiterung und Sanierung des Sportheims mit einem neuen Luftgewehrstand zu unterstützen und dafür öffentliche Zuschüsse abzugreifen. Noch in der Marktratssitzung im März hat die Verwaltung verlauten lassen: „Dass es von Seiten des Amtes für ländliche Entwicklung Zuschüsse gibt für Maßnahmen in Ortsteilen, in denen das letzte vorhandene Wirtshaus geschlossen werden muss. Projekte, die einen Mittelpunkt schaffen, können mit einem Zuschuss von 43% bedacht werden“(siehe Mitteilungsblatt April 2018).Einzig die SPD im Marktrat hat diese Programme  vorher hinterfragt mit dem Ergebnis, dass Lorenzen nicht in die Förderung kommen kann und wird. In der Märzsitzung 2018 hat die SPD Fraktion davor gewarnt, bei der Lorenzer Bürgerschaft mit falschen Versprechungen unerfüllbare Hoffnungen zu wecken. Auch eine neue Landesregierung werde wohl die Förderrichtlinien nicht ändern, so die Meinung der SPD. Aber nun tauchte plötzlich ein privater Investor auf, der dem einen oder anderen politisch und finanziell ins Konzept passte.

Der Investor der gewerblichen Schießanlage und einzelne Freie Wähler warben damit, dass durch den Bau des Schießkinos die Lorenzer Schützen eine neue Bleibe fänden. Auch eine geplante Wirtschaft sollte ein Zugpferd sein, nachdem das Gasthaus Heyder schon 2018 geschlossen hatte. Vonseiten der Befürworter wurde die Sache regelrecht so dargestellt, als würde hier ein neues Vereinsheim entstehen. Das ist falsch! Laut Investor sollten wohl Luftgewehrbahnen zusätzlich errichtet werden, welche die Lorenzer Schützen hätten nutzen können. Zu welchen Konditionen und Gebühren – darüber wurde kein Wort verlautbart. Auch eine Nutzung der Wirtschaft durch die Schützen wäre wohl zu den marktüblichen Konditionen möglich gewesen, keineswegs aber wie in einem Vereinsheim. Eine Unterhaltung meinerseits mit einem Schützenmeister aus der Stadt Regensburg ergab, dass auch dieser keinerlei Vorteil im Bau dieser Anlage für die Lorenzer Schützen erkennen könne.

Interessanterweise hatte in der Zwischenzeit der SC Lorenzen Pläne zur Erweiterung des eigenen Sportheims vorgelegt, in welchen eine neue Schießbahn für die Lorenzer Schützen nicht mehr berücksichtigt wurde. Kassier des Sportvereins ist gleichzeitig der Besitzer des infrage kommenden Grundstücks. Inwieweit dieser sich hier – in der Annahme, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können, vor den Karren hat spannen lassen, lässt sich nur erahnen. Es bleibt zu hoffen, dass er die nötige Distanz wahren konnte – zumindest wurde das Vorhaben innerhalb der Freie-Wähler-Fraktion durchaus kontrovers betrachtet. 

Der Marktrat hat den vorgelegten Plänen des Lorenzer Sportvereins zugestimmt. Die Lorenzer Schützen sind jetzt sicher enttäuscht. Sie können aber den Schießstand im Dorfheim Oppersdorf und die Anlage bei Tell Hainsacker nutzen – hier ist auch eine Gaststätte dabei.    

Dritte Ebene: Standort

Der Standort an sich war auch bei vielen Unterzeichnern unserer Petition Gegenstand der Kritik. Das Wohngebiet Am Schlag befindet sich in unmittelbarer Nähe, auch einzelne Höfe sind direkte Anlieger. Dazu kommt das geplante Baugebiet am Ortsrand von Lorenzen. Mit der Beerenmeile liegt außerdem eine Freizeitanlage für Familien in direkter Nachbarschaft. Eine große gewerbliche Halle gleich nebenan wird natürlich von den Anliegern als äußerst kritisch gesehen. Auch stellt sich die Frage, ob eine Schießanlage dieses Ausmaßes wirklich in bewohntem Gebiet gebaut werden muss. In meinen Augen bräuchte es hier eine sinnvolle Abstandsregelung zu Wohngebieten.

Vierte Ebene: Der persönliche, emotionale Zugang

Waffen in den Händen von Privatleuten sind in der Gesellschaft ein heikles Thema. Erst kürzlich beherrschte das verschärfte Messerverbot die Schlagzeilen. Es gibt natürlich die lange Tradition der Sportschützen, die sich zumindest bei den olympischen Disziplinen auf Luftgewehre und auf kürzere Distanzen bis 50m beschränken. Auch findet der Umgang mit der Waffe hier immer im kontrollierten Bereich des Vereinslebens statt.

Größere Waffen gehören meines Erachtens ausschließlich in die Hände von behördlichen Waffenträgern – das Gewaltmonopol des Staates halte ich für eine der wichtigsten Errungenschaften der Bundesrepublik. Die private Bewaffnung widerspricht diesem Prinzip unseres Staates. Für Soldaten und Polizisten sorgt der Staat für Übungsmöglichkeiten – dies ist sicher nicht Aufgabe des Marktes Lappersdorf! Auch Jäger brauchen aufgrund ihrer Tätigkeit, die auch dem Gemeinwohl zugute kommt, Zugang zu großkalibrigen Waffen und auch Möglichkeiten, zu trainieren. Ob eine Distanz von 300m dazu nötig ist, wage ich zu bezweifeln. Auch sollte die geplante gewerbliche Schießanlage eben nicht Jägern und Polizisten vorbehalten sein, sondern ausdrücklich an das Schießen mit Langwaffen auf größere Distanzen heranführen und hätte sich an alle Schießbegeisterten richten sollen. Auch Besitzer illegaler Waffen hätten hier ungehindert trainieren können; alle anderen sollten wohl gleich im integrierten Waffengeschäft einkaufen können. Die Oberpfalz ist laut Verfassungsschutz und Bayerischer Staatsregierung eine Hochburg des Extremismus (vor allem Rechtsextremismus, aber auch Islamisten – https://www.bige.bayern.de/infos_zu_extremismus/rechtsextremismus/situation_in_bayern/oberpfalz/index.html; https://www.wochenblatt.de/politik/regensburg/artikel/286631/verfassungsschutz-benennt-regensburg-weiter-als-schwerpunkt-von-extremismus). Der Investor warb mit der Einzigartigkeit der Anlage bayernweit in Bezug auf Reichweite und Zugänglichkeit. Ein Eldorado für Waffennarren im Markt Lappersdorf lehne ich absolut ab! Bei einer Beschränkung auf staatliche Waffenträger und Jäger wäre diese Sorge unberechtigt gewesen.

Resonanz und Ausgang

Die Resonanz auf unsere Petition war von Anfang an gewaltig. Innerhalb eines Tages hatten 200 Menschen unsere Petition unterschrieben. Zum Ende der Petition nach einer Woche waren es 700. Viele Menschen kommentierten diese – entweder beim Unterzeichnen, oder im persönlichen Kontakt zu uns, oder bei facebook. So hatten wir auf jeden Fall das Teilziel erreicht, dass die gewerbliche Schießanlage öffentlich diskutiert wurde. Auch freute uns natürlich, dass wir mit unserer Ablehnung der Anlage nicht alleine waren – im Gegenteil. Selbst Jäger und Schützen unterzeichneten die Petition und meldeten im persönlichen Kontakt zurück, warum sie gegen die Anlage waren. Ein wichtiger Aspekt waren hier der Standort und dass die Anlage eben für Schützen aufgrund der Gewerblichkeit nicht interessant sei. Der Nutzen für Lappersdorf wurde absolut nicht gesehen; unsere in der Petition geäußerten Bedenken wurden vielfach geteilt.

An Zufall glaube ich hier nicht – einen Tag, nachdem wir das Ende der Petition angekündigt hatten, zog der Investor in einer E-Mail ans Rathaus den Antrag auf Bau der gewerblichen Schießanlage zurück, ohne Angabe von Gründen. Ich gehe davon aus, dass nicht zuletzt der große öffentliche Gegenwind diese Entscheidung zumindest beschleunigt haben wird. Fakt ist jedenfalls: diese unsägliche gewerbliche Schießanlage wird nicht im Markt Lappersdorf gebaut werden!